Arquiste - Nanban

Ich bin in Warschau, später Abend, noch immer 25 Grad. Eigentlich nicht die klassische Konstellation für einen Duft mit Tiefe, Rauch und Würze — und doch genau der richtige Moment für Arquiste Nanban.

In Warschau gibt es mit Galilu eine Nischenparfümerie, die auf den ersten Blick beinahe mainstreamig wirkt, auf den zweiten dann aber genau die richtigen Schätze bereithält: Aedes de Venustas, Anomalie, Thomas de Monaco — und eben auch Arquiste, diese amerikanische Brand, die mir bis dato nur aus einem weiteren Store bekannt war: Les Senteurs in London.

Dort, vor zwei Jahren, frisch getrennt und auf einem ziemlich wilden London-Trip, landete ich nach einer Techno-Nacht eher zufällig. Ich fragte nach einem unbekannten Duft, spicy sollte er sein, und bekam Nanban empfohlen. Der erste Eindruck saß sofort. Doch ein Sample gab es nicht, und ich machte den Fehler, später noch zu Harrods zu gehen — pure Reizüberflutung. Nanban blieb hängen, aber nicht mehr greifbar. Und so ärgerte ich mich beinahe zwei Jahre lang darüber, ihn nicht direkt mitgenommen zu haben. Ein ziemlich klares Zeichen: Wenn ein Duft so lange nachhallt, ist er vermutlich genau der richtige. Jetzt steht er in meiner Sammlung. Endlich.

Nanban ist ein würziger, trockener, leicht ledrig wirkender Duft mit Kaffee-Nuancen und einer markanten, holzigen Struktur. Harze sind ebenfalls präsent, jedoch ohne jede Süße. Genau das macht ihn so stark: ein faszinierender Cross-over zwischen Nahost, Mittelmeerraum und Fernost, abseits jeglicher ausgetretener Duftpfade.

Ein olfaktorisches Narrativ mit historischer Tiefe, inspiriert von einer Reise aus dem Jahr 1618, die Ost und West miteinander verband. Dazu Noten von schwarzem Pfeffer, Safran, Osmanthus, Kaffee, Leder, Myrrhe, Weihrauch, Sandelholz und Zedernwacholder — eine Komposition mit Charakter, Sog und Präsenz.

Auch das Brand Design ist bemerkenswert durchdacht. Ich mag einfach Design, besonders wenn es clean ist. Der Karton wirkt hochwertig, fast architektonisch, mit grafischen Elementen, die auf die Formensprache des Flakons verweisen. Der Flakon selbst liegt exzellent in der Hand: rund, ergonomisch, aus hochwertigem Glas gefertigt, dazu ein gravierter Metallverschluss und ein präziser Sprühkopf (Sprüher Wirkloch next Level). Man merkt sofort, dass hier nichts dem Zufall überlassen wurde.

P.S.: Bei Galilu bin ich außerdem auf The Architects Club von Arquiste gestoßen — ebenfalls ein wunderschöner Duft, nur zugänglicher, gefälliger, weicher. Nicht zitrisch, nicht frisch, sondern genau dazwischen. Fein süßlich, elegant gewürzt, sehr stimmig. Der Teststreifen blieb nicht allein, und der Duft auch nicht: Am nächsten Tag bin ich los und habe ihn ebenfalls gekauft. Kein London-2.0-Drama, keine zwei Jahre Wartezeit — Nö, diesmal direkt.

EDIT: Ich habe mir am nächsten den The Architects Club geholt. Dieser klettert gerade geschwind meine Skala der Top-Düfte empor. Schriftstück hierzu folgt.

DUFT
8.4

HALTBARKEIT
8.0

SILLAGE
7.7

FLAKON
9.5

PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNIS
7.9

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